Früher war alles besser? Oder: Ein Hoch auf die Tragejacke

Es gibt Dinge aus der „guten alten Zeit“, nach denen sehne ich mich nicht zurück. Die Verdammung des Stillens, weil die Luftverschmutzung angeblich auf die Muttermilch überginge zum Beispiel. Oder die Vorstellung, dass eine „gute Mutter“ nur dann gut sei, wenn sie ihrer Arbeit komplett entsagt und sich in völliger wirtschaftlicher Abhängigkeit zu ihrem Partner der jahrelangen Aufzucht der Kinder widmet. Was letzten Punkt angeht, sind die Dinge nie so einfach umsetzbar, wie sie logischerweise sein müssten und deshalb noch im Werden und Wachsen begriffen. Was ersten Punkt angeht, haben wir gottseidank alten Gedankenballast hinter uns gelassen hin zu mehr Natürlichkeit.

Natürlich still ich, natürlich trag ich mein Kind – was bei Naturvölkern nicht erklärt werden muss, müssen wir Menschen aus der modernen Welt erst wieder mühselig für uns zurückerobern. Als ich meine kleine Tochter hin- und hertrug, war ich froh  um das Tragetuch und die Tragehilfe, mit der ich die Kleine ohne lästigen Kinderwaren von A nach B tragen konnte. Meine Tochter auch, denn ihr gefiel die wohlige Wärme, gepaart mit sanftem Hin- und Herschaukeln an meiner Brust so gut, dass sie prompt einschlief. Überhaupt war das selige Einschlafen immer ein Zeichen für Zufriedenheit, sei es nach dem Stillen oder eben beim Tragen.

Sobald die kühlen Tage kamen, war es mit dem lässigen Tragen jedoch schnell vorbei, denn Kälte tut kleinen Kinderhändchen bekanntlich nicht gut – und so musste der Kinderwagen mit dicken Decken ausgekleidet werden, um das Gefährt dann bei täglichen Spaziergängen durch den Matsch zu bugsieren.

Womit wir wieder bei Dingen sind, die früher dann doch nicht besser waren. Denn während ich den Kinderwagen durch den Matsch schieben musste, können sich heutige Eltern dank der Erfindung der Tragejacke viel freier auch bei Mistwetter bewegen und haben das Baby ganz nah bei sich – können Wärme und Geborgenheit vermitteln, wenn die Umwelt da draußen kalt und unbarmherzig ist und der Wind einem entgegenbläst. Ein unsichtbares Band, geknüpft zwischen Mutter oder Vater und Baby, das dem Kleinen schon früh suggeriert: „ Du bist nicht allein, ich beschütze dich“.

So ursprünglich, wie das Tragen schon immer war, ist doch die Tragejacke ein modernes Produkt, das alte Traditionen ganz wunderbar in sich vereint. Wer auf das Prinzip „Ein Teig – 5 Kuchen“ steht, wird die Tragejacke schon allein aus praktischen Gründen lieben. Sie kann Umstandsjacke und Tragejacke zugleich sein – manche All-Inclusive-Jacken sind sogar so flexibel, dass sie mit Reißverschluss am Rücken das Tragen über der Rücken-Babytrage ermöglichen. Und danach? Da wird die Vorne-hinten-Trage-Umstands-Jacke zur ganz normalen Jacke und tut ganz unschuldig, als ob nichts gewesen sei – Prinzip „1 Teig – 5 Kuchen“ eben!

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